Sportler erlebten gestern den kältesten Tangermünder Elbdeichmarathon aller Zeiten

Einen außergewöhnlichen 12. Tangermünder Elbdeichmarathon erlebten gern all jene, die schon viele dieser Läufe hier mitgemacht hatten. Bei vier Grad Celsius Lufttemperatur und leichtem Regen zeigte sich die zwölfte Auflage zumindest von der Wetterseite alles andere als läuferfreundlich.

Tangermünde l Das tat allerdings der Stimmung keinen Abbruch. Die Mitglieder des Tangermünder Elbdeichmarathonvereins hatten wieder ein Rund-um-Sorglos-Paket für die mehr als 2000 gemeldeten Starter geschnürt. Und sie hielten es natürlich auch bereit – im Hafenbereich, an sechs Verpflegungspunkten an der Strecke und auch in den zwei Dörfern, durch die Marathon und Halbmarathon führten.
Profisportler Frank Schauer zieht die 10-Kilometer-Läufer
Nach der Läuferandacht, extra für diesen Sonntag in St. Stephan organisiert, fand erstmals in der Geschichte dieses Laufes die Begrüßung der Läufer auf der Bühne im großen, beheizten Zelt statt. Die Vereinsvorstandsmitglieder Thomas Staudt und Carsten Birkholz eröffneten gemeinsam mit Landrat Carsten Wulfänger, Bürgermeister Jürgen Pyrdok und Klaus Schmekies von Avacon den Laufsonntag.
Punkt 10 Uhr fiel der erste Startschuss. Moderator Thomas Schulze zählte rückwärts und schickte die ersten Männer und Frauen ins Rennen – all jene, die sich vorgenommen hatten, trotz des unfreundlichen Wetters zwei Runden durch die Elbnatur zu laufen. Fünf Minuten später ging der größte Pulk an Läufern an den Start. Etwa 1000 waren es, die über zehn Kilometer in diesem Jahr dabei sein wollten. Vorne weg lief Frank Schauer, Mitglied des Tangermünder Elbdeichmarathonvereins, Profisportler und erst wenige Stunden zuvor aus seinem Trainingslager in Südafrika zurückgekehrt. Vereinsvorsitzender Thomas Staudt war es in diesem Jahr persönlich, der die 10-Kilometer-Läufer auf seinem Fahrrad anführte und bei einem Profi wie Frank Schauer natürlich kräftig in die Pedalen treten musste.
In diesem Jahr führte die Strecke die Läufer kurz nach der Startlinie vorbei an etlichen Baustellen. Doch dann ging es wieder hinein in die Natur – entweder über die Tangerbrücke in Richtung Bölsdorf oder über die Tangerbrücke am Hafen hinein in die Elbauen. Spätestens hier waren die Sportler umgeben von der frühlingsfrischen Natur, von der Ruhe, der ebenen Strecke und der Gewissheit, auf allen Strecken gut umsorgt zu sein.
Mehr als 150 Männer, Frauen und Jugendliche kümmerten sich auch gestern wieder um das Wohl der Läufer. „Allerdings hatten wir einen solch kalten Lauf noch nie“, erinnerte sich Evelyn Gehne, die seit vielen Jahren mit den Triathleten von Tangermünde den Verpflegungspunkt an Onkel-Toms-Hütte betreut. Sie wärmte sich die Hände an einem dort aufgestellten Heizer. Dass es mal so kalt war, daran könne sie sich nicht erinnern. Doch das trübte die Stimmung hier, nur gut zwei Kilometer vor dem Ziel der Läufer, nicht. Sie wurden angefeuert, aufgemuntert, mit Getränken und Obst versorgt.
Auch in Buch war die Stimmung wieder auf dem Höhepunkt. Bei Partymusik, der tollen Moderation von Rüdiger Albrecht und dem stimmungshebenden Versorgungsteam erlebten hier die Marathon- und Halbmarathon-Läufer nach ihrem Lauf durch das stimmungsmachende Bölsdorf den nächsten Höhepunkt. Sie wurden beklatscht, von jungen Buchern abklascht, schnell wurde für sie Tee gekocht. Und so ganz nebenbei wird sich der eine oder andere hier wohl gefühlt haben wie bei einem Bummel über den Weihnachtsmarkt. In der Luft lag der Duft von Grillwurst und Glühwein (allerdings nur für die Bucher). So hielten sich die Bucher bei Laune und wärmten sich.
Aber nicht nur hier. Auch überall anders an der Strecke ließen sich die meisten Strecken- und Versorgungsposten die Kälte nicht anmerken. Eher noch bewegten sie sich mehr als die Jahre zuvor, um nicht ganz zu erstarren. Sie jubelten, begrüßten die Läufer mit Laola-Wellen und klatschten eifrig.
Ganz großer Dank an all die Ehrenamtlichen des Tages
„Es war wieder super“, sagte nach dem Halbmarathon ein älterer Läufer, der von seiner Frau im Ziel erwartet wurde. Und er berichtete sofort von einem kleinen Jungen, der ihm in Buch das Wasser gereicht hatte.
010n Lauftext: Auch viele andere Männer und Frauen kamen trotz der widrigen Umstände mit einem Lächeln ins Ziel oder strahlten während des Laufes auf der Strecke in die Kamera, rissen Hände oder Arme hoch. „Wer viel läuft, dem ist das Wetter heute ganz sicher egal“, hatte es eine Starterin vor ihrem Lauf auf den Punkt gebracht. Es war trotz der kalten Temperaturen und des Nieselregens ein Laufsonntag, an dem sich die Läufer wieder gut aufgehoben gefühlt haben. Letztendlich wartete auf sie nicht nur eine Rundumversorgung mit Essen und Physiotherapie im Zielbereich am Hafen. Auch der Duschtruck war wieder da, bot die Gelegenheit, heiß zu duschen nach dem kalten 12. Tangermünder Elbdeichmarathon.
Gerade nach einem solch ehrenamtlich widrigen Einsatz wiegt der Dank an alle Helfer vor, während und nach dem Laufes besonders schwer. Das Moderatoren-Trio Thomas Schulze, Gerhard Sievert und Marie-Luise Heine hatte mehrfach darauf verwiesen, dass es ohne die Helfer aus der Stadt und Region und aus dem eigenen Verein gar nicht möglich wäre, ein solch großes Sportevent zu stemmen.

Anke Hoffmeister, Volksstimme 15. April 2019