Erstellt von Mario Bartkowski

„Na, endlich angekommen? Willkommen in Tangermünde. Wusstet Ihr's? Die Kaiserstadt erstreckt sich am linken Ufer der Elbe direkt an der Mündung des Tangers in die Elbe. Daher der Stadtname!“, schließt mein Papa begeistert, indem er dabei wie stets mit Armen und Händen gestikuliert. Eben so, als hätten wir den Landesvater dieser tausendjährigen Kaiserstadt höchstselbst vor uns. Welch eine Begrüßung! Nicole und ich stellen nach der Eröffnungsrede meines Vaters schnell fest: An diesem wundervoll sonnigen Samstag-Nachmittag haben wir mit unserem Wochenend-Trip in die Hansestadt alles richtig gemacht!

Doch spule ich mal ein wenig zurück. Vor knapp drei Stunden waren ich und meine Frau von Hannover aus angereist, denn hier findet mit der 11. Auflage des Tangermünder Elbdeichmarathon schlichtweg eine der größten Laufveranstaltungen in Sachsen-Anhalt statt. Dieser Landschaftsmarathon zählt als echter Geheim-Tipp und erhält jährlich mehr Zulauf. Zunächst wollten wir ja direkt zum Hafen fahren, wo mein alter Herr vermutlich schon ungeduldig auf uns wartete. Letztlich hatten wir dann doch entschieden, vorher noch in der „Alten Brauerei“ einzukehren, dem Hotel mit Geschichte und Tradition. Auf dem Gäste-Parkplatz dann die erste, kleine Überraschung: „Sieh mal, die haben hier sogar ein Innenhof-Museum!“, rief ich meiner Frau zu. Ursprünglich handelte es sich um die letzte Tangermünder Privatbrauerei. Von 1860 bis 1911 wurde auf dem Grundstück Bier gebraut, welches mit Pferdewagen direkt an die Gasthäuser der umliegenden Dörfer ausgeliefert wurde. Im Jahre 1911 wurde es dann von dem Brauer Julius Neumann direkt zwischen Eulenturm und Stephanskirche neu erbaut.

Türme, Tore, Fachwerk

Kaum hatten wir das Gepäck ins angrenzende Gästehaus gebracht, waren wir auch schon wieder im sonnigen Altstadtzentrum. Von hier aus flanierten wir umgehend zum nur wenige hundert Meter entfernten Hafen mit seinen Anlegestellen. Ich konnte nicht anders: alle paar Meter hielt ich an geschichtsträchtigen Gebäuden, zückte meine Knipse, machte Fotos. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, blieb immer wieder stehen, schaute mich um. Vorbei an Eulenturm und Stephanskirche, Roßfurt mit Elbtor, dem spätgotischen Rathaus mit seinem markanten Schaugiebel, dem Neustädter Tor, dem Marktplatz, der Nikolaikirche...und dazwischen liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser. Das mittelalterliche Flair der Elbstadt begeisterte mit jedem Schritt.

“Na, ob Dein Papa noch am Hafen sitzt?“, so dann irgendwann die unüberhörbare Überlegung meiner geduldigen Ehefrau. Großer Seufzer meinerseits, aber sie hatte Recht (das haben Frauen immer!): wir hatten da ja noch ein Treffen am Hafen! Unweit des Dominikanerklosters entdeckten wir meinen Vater dann schließlich auch. Da saß er also ganz gemütlich auf einer Bank im Schatten mehrerer Bäume, und unterhielt derweil lautstark einen älteren Einheimischen, welcher dort ebenfalls rastete. „Mensch Junior, da seid ihr ja endlich! Kommt doch ma her, wir schlendern von hier aus direkt zum Marathon-Festzelt! Da kannste dann auch gleich Deine Startnummer abholen!“. Jawohl, Papa. Am Westufer des Hafens fällt jedem, der hier zum ersten Mal vorbei schlendert, der imposant hohe Getreidespeicher auf. In den 30er Jahren fasste das Getreidesilo mit einer Kapazität von 10.000 Tonnen auch Ölsaaten und Düngemittel. Jetzt dient das Hafenbecken nur noch als Liegeplatz für Sportboote und als Schutzhafen für Hotelschiffe. 

Sonnentrasse von Tangermünde

Die Marathon-Veranstaltung findet direkt auf der Hafenpromenade und vor der historischen Kulisse der Altstadt statt. Bereits am Vorabend wurde die Eröffnungsfeier abgehalten. Während wir zu dritt durch das Messezelt schlendern, werfe Ich zunächst einen Blick auf den Streckenplan. Interessanterweise bietet der Marathon in diesem Jahr eine vollkommen neue Streckenführung, nach DLV Richtlinien vermessen. Es werden zwei Runden gelaufen. Die Erste führt auf einer Landstraße über mehrere Orte auf dem Elberadweg zurück zum Hafen. Die Zweite schickt die Läufer dann direkt auf den Elberadweg, durch mehrere Orte und letztlich wieder zurück. Damit hatte man den Wünschen der Läufer entsprochen, welche in den Vorjahren über den Streckenabschnitt Elbdeich ganz besonders angetan waren. Abschließend nehme ich von den freundlichen Helferinnen meinen Umschlag mit der Startnummer 468 entgegen. Direkt nebenan drückt man mir auch gleich noch den Transponder in die Hand – sehr praktisch!

Die spannungsgeladene Erwartungshaltung an diesem sehr sonnigen Marathon-Vortag ist bereits deutlich spürbar. Knapp 2200 Sportler werden in diesem Jahr an den Start gehen, darunter Teilnehmer aus Dänemark, Holland, Polen und sogar Namibia. Rund 130 LäuferInnen werden auf der Königsdisziplin (42,195 km) unterwegs sein. Der Großteil läuft bei allerbestem Frühlingswetter den Avacon-Halbmarathon (21,1 km), den Elektro Schubert 10km-Run, den Humanas Mini-Marathon (4,2 km) sowie den AOK-Kinderlauf (ca. 400 m).

Zehntausende Zuschauer werden heute auf dem Gelände und entlang der Strecke für mächtig Stimmung sorgen. „So, nun zeige ich euch noch die Anlegestelle der Schiffsgaststätte Störtebeker, dann besuchen wir Kaiser Karl den IV. im Schlosspark und kehren abends im Biergarten ein!“, dröhnt Senior mit tiefer Stimme und wandert schnellen Schrittes voran. „Aber nur, wenn's anschließend Kuhschwanzbier gibt!“, rufe ich noch hinterher!

Gesegneter Lauf

Während wir am Sonntagmorgen um kurz nach 9 Uhr durch das Elbtor der Roßfurt hinunter zum Hafen spazieren, läuten hoch über uns die Glocken der St. Stephanskirche. „Jetzt findet wohl die Läufer-Andacht statt“, ruft mir meine Frau zu, während ich wie bei jedem Marathon gefesselt bin vom Gewusel, Gewimmel und Getümmel. Eifrig schwenke ich hierhin und dorthin, mache Fotos, beobachte dabei die umhereilenden Sportler. Ich muss schmunzeln: wie stets lange Schlange vor den roten Dixies, welche besonders nah an der 10 bis 12 Meter hohen Stadtmauer aufgereiht wurden. Kluge Entscheidung...handelt es sich hier doch immerhin um die Wasserseite der Stadt. Auf dieser Seite des Walls wurden in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts umfangreiche Erneuerungsarbeiten vorgenommen. Und dabei wurde nicht gekleckert: vier Ecktürme, drei Stadttore, mehrere Schalentürme und Turmbauten runden die ca. 1,8 km lange Stadtbefestigung ab.

Unser Weg führt an mehreren bunten Ständen vorbei. Die Kids versuchen sich an Glücksrädern oder toben auf Hüpfburgen herum, die  Würstchen- und Bierbuden buhlen um erste Abnehmer, der Moderator informiert Sportler und Zuschauer. Bislang konnte ich meinen Vater nirgends entdecken. Ich verabschiede mich von meiner Frau, winke ihr zu, reihe mich schon einmal in den wartenden Läuferstrom vor dem Start- und Zielbereich ein. Hier tun sich bereits einige Sportler an der Verpflegung gütlich. Andere verstecken sich unter einer fetten Schicht Sonnencreme oder Baseballcap. Das ist gar nicht verkehrt, denn allerspätestens heute Mittag wird es richtig heiß werden. Ich habe mich für ein weißes Bandana entschieden. Denn wenn die Sonne gegen Mittag erst mal knallt...

Schlussläufer-Taktik

Ein Pistolenknall reißt mich aus den Gedanken! Pünktlich um 10 Uhr setzen sich die Marathonis unter lautem Jubel und Beifall in Bewegung und strömen entlang des Tangers aus dem Hafen! Ich stehe noch auf einer leicht erhöhten Position, schaue zu, mache Fotos. Dann stelle ich mich wieder in die dicht gedrängte Menge der Läufer, welche wohl noch darauf warten, dass sich Ihr Block endlich in Bewegung setzt. Es juckt bereits unter den Sohlen, ich brenne darauf, loszurennen! Dann wundere mich, warum es vorne nicht endlich weiter geht.

Ich stelle mich auf Zehenspitzen, blicke über die Köpfe vor mir. Ups..., nur mehrere Kopfreihen vor mir...alles wie leer gefegt! Schnell drängele mich nach vorn, trete dabei einer jungen Dame auf die Füße, ernte dafür lautes Fauchen im Nacken. Sorry! Der Moderator spricht aus, was ich gerade befürchte: „So, das waren die Marathonläufer. In nur fünf Minuten starten die 10-km-Läufer...“, kommentiert er, während ich versuche, mich an ihm und Hunderten von Zuschauern, welche Spalier stehen, vorbei zu schleichen. Ich forciere das Tempo, um unbemerkt an allen vorbei zu hetzen. Es will nicht ganz gelingen, irgendwie schaut mir jeder nach!

Dann entdecke ich meinen alten Herrn kurz vor Ende der Promenade, wo Asphalt urplötzlich auf Kopfsteinpflaster trifft. Mit seiner Spiegelreflex hat er mich knallhart im Visier – spätestens jetzt ist der Moment auch auf  Bild gebannt. „Hey Junior, macht man das bei euch als Laufreporter immer so?“, schreit er mir winkend entgegen. Nee nee, das passiert wieder nur mir, denke ich dabei zähneknirschend und renne auf ihn zu. Ich lasse mir aber nichts anmerken, begrüße ihn kurz per Handschlag, hechte dann aber unvermittelt weiter. “Du weißt doch, ich brauche die Herausforderung. Bis später!“.  

Fotosafari in den Elbtalauen

Ich eile weiter dem Feld hinterher, werfe dabei einen schnellen Blick auf das Dominikanerkloster zu meiner Linken. Ach ja, so ist das. Kein Lauf ist wie der andere, gell? Noch an der Ecke, wo sich Magdeburger Str. und Lüderitzer Str. kreuzen,  kann ich auf erste Mitstreiter aufschließen. Dann geht es über eine endlos scheinende Landstraße Richtung Bölsdorf, dem ersten Ort meiner heutigen Rundreise um Tangermünde. Vorher wird jedoch noch über eine Brücke der Tanger überquert. Hier genieße ich einen sehr ausgedehnten Blick auf das Umland dieser malerischen Flusslandschaft. Ich komme nicht umhin, immer mal wieder stehen zu bleiben und die Knipse zu betätigen. Eine traumhafte Gegend! Kaum ist nach wenigen Kilometern Bölsdorf erreicht, werden wir auch schon herzlich von den Einwohnern begrüßt. Bunte Wimpel und Fähnchen weisen uns den Weg, bis wir den ersten VP erreichen. Hier organisiert die örtliche Feuerwehr das Fest. Ich greife mir einen der bunten Schwämme in den Wasserwannen, kühle bereits jetzt vorsorglich Kopf und Nacken. Danach kippe Ich mir mehrere Wasserbecher in den Rachen, denn die Abstände der einzelnen VP's werden bei den stetig ansteigenden Temperaturen vielen von uns immer länger vorkommen.

Veteran und Novize

Der Genusslauf führt wieder raus aus dem Stimmungsnest Bölsdorf und rein in die Altmark. Eine Zeit lang laufe ich neben Michael und Hagen und lausche deren Unterhaltung. Beiden Läufern war wohl nicht entgangen, dass ich während des Laufs Fotos machte. Ich erzähle dem Duo, wo sie die Bildergalerie nebst Bericht wiederfinden würden. „Marathon4you? Kenne ich!“, antwortet Michael, der Ältere von beiden, wie aus der Pistole geschossen. Danach frage ich, welche Zielzeit sich beide denn so vorgenommen hätten. „Ach, weißt Du, Hagen hier neben mir läuft heute seinen ersten Marathon. Wir peilen daher die viereinhalb Stunden an. Darauf hat er hin trainiert!“ Ich blicke rüber zu Hagen, ernte Grinsen und Siegerdaumen.

Schnell ist auch der nächste Ortsteil namens Buch erreicht, welcher nahe dem linken Elbufer liegt. Die Elbe bildet hier die Grenze zum Landkreis Jerichower Land. Wiederholte Überschwemmungen bei hochwasserführender Elbe und andere Katastrophen hatten ein Wachsen dieses Ortes  verhindert. Ein gelbes Banner mit dem Konterfei des Namensgebers Roland von Buch in seiner silbernen Rüstung sowie dem Ortswappen begrüßt die Sportler. Tolle Stimmung entlang der Bucher Kirchstraße bis zum Ortsausgang. Hier wird jeder Neuankömmling gefeiert was das Zeug hält! Es wird geklatscht, gejubelt, getrötet. Selbst ein Storchen-Paar klappert freudig von einem Hausdach herunter. Kein Witz: in so gut wie jedem Elbdorf in der Region der Altmark sprechen die Menschen stolz von „ihren Störchen“!

Zwischen Elbufer und Altarm

Noch vor Schelldorf überholen uns die ersten Halbmarathonis, allen voran Sardari Hafiz. Er macht später den zweiten Platz. Immer wieder wandert mein Blick hierhin und dorthin, meist jedoch gemüthaft in die Ferne. Noch am Horizont dieser weitläufigen Flusslandschaft, dort, wo Rapsfeld-Gelb auf Himmel-Blau trifft, erahnt man Kloster Jerichow mit seinen beiden Doppeltürmen. Zwischen den Schelldorfer Seegräben empfängt uns der nächste, rettende VP. Die Temperaturen klettern in die Höhe, erneut kühle ich ausgiebig Kopf und Nacken. Man will's kaum glauben, aber der Ort Schelldorf war früher mal eine Insel in der Elbe. Der Ortsname wird vom Wort Scholle abgeleitet. Heute liegt das Dorf zwischen dem linken Elbufer und dem Schelldorfer See, einem Altgewässer der Elbe. Immer mehr Halbdistanzläufer kommen uns entgegen, während wir bereits auf den Elbdeich zusteuern.

Hin und zurück auf dem Lieblingsstück

Die erste Hälfte eines Marathons verfliegt immer wie im Nu. Auf den letzten sechs Kilometern der ersten Marathonrunde schlängelt sich eine bunte Läufertraube entlang des Elberadwegs bis zum Horizont. Es macht den Eindruck, als würde sich die St. Stephanskirche von Tangermünde auf dem rechten Elbufer befinden, denn dort reckt sich, in noch weiter Ferne liegend, der gotische Kirchturm in den strahlend blauen Himmel. Wir laufen jedoch einen großen Bogen bis zur Hansestadt, immer am Deichfuß entlang. Ich habe das Gefühl, als könnte ich bis zum Horizont und noch viel weiter laufen. Einfach nicht mehr aufhören, immer weiter und weiter. Dann taucht auch schon, fast zu früh, die romantische Altstadtkulisse vor mir auf. Das Panorama vor der Hafenpromenade...eine echte Augenweide!

Vor dem Hafenbereich werde ich von meinen beiden Mitreisenden begrüßt. Noch ist es nicht vorbei, denn es geht weiter, vorbei an vielen weiteren Spaziergängern und Zuschauern. Ich winke meinem alten Herrn zu, laufe die Hafenpromenade bis zum Zielbogen hoch. Die Zuschauer jubeln mir zu, ich klatsche bei Groß und Klein ab.

Ich wende und mache mich erneut auf die lange Reise Richtung Sommerdeich. „Die erste Runde in der Tasche...nun kann ich mich auf die Zweite freuen!“, rufe ich meiner Frau zu, verabschiede sie obendrein noch mit einem dicken Schmatzer. Wie bereits berichtet, geht es für die Marathoni auf der zweiten Runde zunächst erneut am Elbdeich entlang. Mehr und mehr Halbmarathonläufer strömen mir auf der linken Seite entgegen, setzen hier bereits zum Endspurt an. So macht man Läufer glücklich – einfach herrlich, dieser Sommerdeich!

Urinprobe verweigert

Es dauert nicht lange, da führt eine Spitzkehre am sogenannten Bölsdorfer Haken vorbei, einem offenen Altwasser in diesem weitläufigen Naturschutzgebiet - zugleich auch beliebter Rastplatz für Zugvögel. Ich hole Birgit wieder ein. „Ich muss mal ganz schnell austreten, hier ist gerade keiner. Renn doch mal bitte voraus“, bittet Sie mich. Ich laufe selbstredend weiter, weise sie aber auf den winzig kleinen, roten Tupfer über dem Rapsfeld, ganz weit vor uns, hin. „Das wird ein Dixie sein!“ - „Ok, ich werde durchhalten!“, meint sie. Schnell ist Bölsdorf erreicht. In dem kleinen Ort herrscht der Ausnahmezustand, die festliche Stimmung istungebrochen. Die Bölsdorfer bringen sogar den Asphalt zum Kochen. Kein Wunder, dass auch die Körpertemperatur weiter ansteigt.

Am VP entscheide ich mich für Banane, zwänge das Stück in meine trockene Kehle, spüle es dann mit Cola und Wasser  hinunter. Abschließend noch die kalte Dusche aus der Wanne. Am Zaun wehen Transparente mit Hinweisen wie „Urinprobe“ und „Dopingkontrolle“. War mir vorher gar nicht aufgefallen! Die Helferin bemerkt meinen Blick, grinst mich herausfordernd an. „Die Hose ist bis zu den Knien herunterzulassen und das T-Shirt ist bis zur Brust hochzuziehen!“. Oha! „Urintests am Straßenrand? Da habt ihr den falschen! Aber hinter mir, die Dame mit der Startnummer 494, zieht die mal zur Seite, die muss eh ganz dringend!“ Dann mache mich ganz fix vom Acker!

Stimmung  pur auf dem Natur-Parkour

Weit und breit keine Menschenseele! Mittlerweile scheint die Sonne durchaus kräftig vom strahlend blauen Himmel, es ist für Aprilverhältnisse ausgesprochen warm. Nach den zähen Wintermonaten scheint der Frühling endlich angekommen zu sein. Zusammen mit den Temperaturen steigt auch meine Laune weiter an. In lockerem Tempo laufe ich über die Landstraße Richtung Buch. Erneut blicke ich in die Ferne, wo sich die stille Pracht des Mittelalters erhebt...Kloster Jerichow, ältester Backsteinbau Norddeutschlands. Irgendwie fasziniert mich dieser Anblick. In der Ortschaft Buch mit der vermutlich höchsten Dichte an Leseratten weit und breit dann die nächste Überraschung: Nicole und mein Vater jubeln mir zu! Da strahlt der Junior doch gerne zurück! Erneut kassiert meine Frau einen Kuss, woraufhin die Menge ausflippt vor Freude! „Super Mario, wir begrüßen dich!“, transportiert der Moderator seine Emotionen durch sein Megafon wie kein zweiter, während Deutschlandfahnen im Wind flattern. Die Generalprobe zur diesjährigen WM fand im Vorjahr wohl eher in der Altmark von Tangermünde statt, nicht in Russland...so viel steht schon mal fest! Hier tanke ich auch nochmals auf, bevor ich mich winkend und dankend wieder auf dem Weg mache.

Letzte Wende vor dem Ende

Von weitem schon erkenne ich den bunten Sonnenschirm unweit des Elbdeiches. Die beiden Mädels hatten uns schon in der ersten Runde vom Deichfuß aus angefeuert. Der letzte Wendepunkt des Tages befindet sich nun ca. einen Kilometer vor Schelldorf, direkt zu Füßen des jubelnden Duos! Ich mache kehrt, denn meine beiden Mitreisenden erwarten mich sicherlich schon in Tangermünde.

Und wieder Sommerfeeling auf dem Elberadweg! Sagenhaft, wie lang dieser Radfernweg tatsächlich ist: er beginnt im Riesengebirge im Norden Tschechiens und endet nach 1220 Kilometern in Cuxhafen an der Elbemündung in der Nordsee. Der Routenverlauf in Deutschland führt unter anderem durch das Alte Land und dem Wendland, der Altmark, der Dübener Heide sowie an dem  Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz vorbei. Da war ich im Vorjahr beim Oberelbe Marathon, ebenfalls bei Kaiserwetter!

So, jetzt aber mal Endspurt: lockeren Schrittes laufe ich ein letztes Mal unter dem Banner der Triathleten des TLV'94 durch, kippe dort eine Apfelschorle in die trockene Kehle, verabschiede mich von den Helfern und erblicke schon bald erneut die historische Altstadtkulisse.

Mit Stil ins Ziel

Dann spüre ich den Blick von Birgit im Nacken. Ob Sie „erleichtert“ ist, mich zu sehen? Jedenfalls guckt Sie ganz konzentriert nach vorn. Ich mache ein letztes Foto bei km 41, während sie lässig an mir vorbei zieht. Tja, ich bin halt gut erzogen – ne, Papa? Dafür kassiere ich den Michael ein, der sich wohl dafür entschieden hatte, auf den letzten Metern zu pilgern. Hagens Training muss sich ausgezahlt haben, jedenfalls befindet er sich schon im Zielbereich. Meinen Glückwunsch zum ersten Marathon, Hagen! Und? Wo läufst Du als nächstes? Lass es mich wissen!

Der Moderator begrüßt jeden einzelnen Finisher, Ich höre meinen Namen bereits von weitem! Während die Zuschauer zu beiden Seiten Spalier stehen und applaudieren, renne ich winkend durch den Torbogen. Ab ins Ziel, Ende, Aus! Was für ein grandioser Landschaftsmarathon! Mit der hübschen Medaille will ich den Zielbereich schon verlassen, werde aber vorher noch vom Transponder befreit.

Fazit

Hier im nördlichen Sachsen-Anhalt werden vom Tangermünder Elbdeichmarathon e.V. Maßstäbe gesetzt und ein top organisierter Genusslauf durch die Altmark geboten! Es gibt doch wirklich nichts Schöneres, als bei allerbestem Frühlingswetter einen Landschaftsmarathon durch die malerische Kulisse dieser Elbauenlandschaft zu laufen. Zwischen Naturgenuss und Kulturerlebnis lernen die Sportler die wunderbare Flusslandschaft und ihre Bewohner kennen. Für mich steht fest, dass ich hier im nächsten Jahr wieder laufen werde und bei einer Schifffahrt auf der Elbe oder einer Kremser Kutschfahrt viel mehr von den Elbtalauen sehen möchte. Und vielleicht zeigt mir der Senior dann auch mal Kloster Jerichow aus der Nähe?

 
Marathonsieger

Männer

1 Kaczynski, Patrick my-marathons.jimdo.com 02:49:07,7
2 Weinmann, Paul LTV Genthin 02:57:046,9
3 Blank, Tino Brandenburg an der Havel 03:07:06,5

Frauen

1 Nowak, Stefanie Gaensefurther Sportbewegung 03:46.47,8
2 Zenker, Gabi Potsdam 03:57:24,2   
3 Weinmann, Jenny LTV Genthin 03:59:05,6