Erstellt von Fritz Rietkötter

Laufen bei Freunden – 10.Teil

Die Jubiläumsausgabe des Elbdeichmarathons, die 10. Auflage dieser nachweislich Top Veranstaltung im jährlichen Marathonkalender, glänzte mit sonnigem Laufwetter, einer tollen Kulisse rund um Tangermünde und der Elbniederung mit seinen kleinen Dörfern sowie einem weit über 2.000 Teilnehmer starkem Läuferfeld. Insgesamt hat das gesamte Marathonwochenende nach Veranstalterangabe rund 15.000 Menschen nach Tangermünde gelockt, schon beeindruckend …und mitten drin war der Wildeshauser Lauftreff, der mit 32 Teilnehmern angereist war. Von Fanunterstützung über 10km-, Halbmarathon- und Marathonläufer hatten wir alles zu bieten. Es war einmal mehr ein sportlich wie gesellig herausragendes Laufwochenende.

Unser „Startschuß“ fiel am Samstag um 8.00h in Wildeshausen. Denn das war die Uhrzeit, an der sich 4 Busse auf den Weg von Wildeshausen nach Tangermünde machten. Unterwegs gab es selbstverständlich die schon traditionelle Autobahnrast. Wo neben jede Menge Kuchen auch 8 Liter Kaffee verdrückt werden mussten. Unsere Bäcker haben eine leckere Arbeit geleistet und Frank hatte den Kaffee-Hut auf, aber auch das können Läufer.

Nach etwas Stau kamen wir fast pünktlich gegen 12.30h in Tangermünde an. Also fix die Zimmer beziehen und dann ab zum Kaffee ins Café Engel. Dieses kleine aber feine Café hat richtig gute und vor allem sehr leckere „Argumente“ auf den Kuchentellern, die Jahr für Jahr der ideale Beginn des WLT.Rahmenprogramms in Tangermünde sind. Denn Samstag ist der Tag, an dem das WLT beschaulich
Programm für ein wenig relaxen und endschleunigen sorgen soll. Außerdem ist Zeit, um Land und Leute kennen zu lernen. Diesmal war das Thema Endschleunigen auf einem Ausflugsschiff der Reederei Kaiser angesagt. Dafür, das die ihr Schiff außerhalb der Saison schon mal haben über die Elbe schippern lassen, vielen Dank. Auf diese Weise gab es einen schönen Eindruck von der Stadt, der späteren Laufstrecken und der Elbniederung aus einer ganz anderen Perspektive.

Anschließend hieß es, Startunterlagen abholen und schon mal ein wenig Elbdeichmarathon Atmosphäre schnuppern. Danach ging es zur internen WLT.Pasta-Party in den historischen Gewölbekeller der Alten Brauerei. Keine Frage, hier gab es wieder viele „ernste“ Strategieansätze für den kommenden Tag, die die Basis für das so erfolgreiche Abschneide eines jeden WLTlers sind. Das sind aber so strenge geheime Lauferkenntnisse, dass die selbstverständlich intern bleiben :- )

Der Marathontag startete dann erstmal mit einem guten Frühstück, denn „ohne Mampf kein Kampf“. Klar, dass der Kalorienhaushalt an einem solchen Tag stimmen und fein ausgependelt sein muss. Nach dem WLT.Gruppen-Foto ging es schließlich wieder einmal zur sehr geerdeten und passenden Läuferandacht in die St. Stephan Kirche. Der Pastor, der im Läufer-Outfit mit seiner ca. 15minütige Andacht für einen sehr angenehmen Blickwinkel zum Start in den Elbdeichmarathon sorgt, hat auch dieses Mal wieder für die nötige Ruhe und Einkehr gesorgt.

Anschließend das eigene Laufoutfit richten und ab in den eigentlichen Elbdeichmarathon. Eine gute halbe Stunde vor dem Start sammelten sich die über 2.000 Läufer auf der Hafenpromenade, oder wie sagte der ehemalige Bürgermeister Opitz einmal: in der guten Stube von Tangermünde. Und mitten drin 32 WLTler.

Um 10.00h wurde das Marathonfeld, um 10.10h das Halbmarathonfeld und um 10.20h das 10km-Feld auf ihre Strecken geschickt. Selbstverständlich, wie es sich für eine solche Veranstaltung gehört, unter Mitwirkung von politischer Prominenz. In diesem Fall war unter anderem der Ministerpräsident von Sachsen Anhalt anwesend.

Dann ging es also los. Zum 10.mal den Marathon absolvieren und die 10.Auflage des Elbdeichmarathons genießen und erkämpfen. Denn eines war vor dem Start bereits klar, es wurde anstrengend. Der Wetterbericht sagte wenig Wind (sehr ungewöhnlich) aber dafür viel Sonne und warme Temperaturen von um die 20 Grad voraus. Das bedeutete gerade auf der zweiten Runde, dass es warm am Deichfuß wird. Aber soweit war es noch lange nicht.:

Auf den ersten Kilometer hiess es Rhythmus aufnehmen, die Landschaft genießen und mit einigen Lauffreunden, die man im Laufe der Jahre kennenlernte, etwas „plauschen“. Irgendwann war es damit dann allerdings vorbei. So ging es mit gutem Tempo durch die folgenden Kilometer und rein ins erste Dorf, rein nach Boilsdorf. Hier gab es neben der Verpflegung auch viel gute Stimmung mit auf die nächsten Kilometer.

Von Boilsdorf nach Buch durch die Elbniederung. Keine Frage, das ist einer der Streckenabschnitte, wo man den Blick in Ferne schweifen läßt. Elbwiesen, Sonne und Natur. Dazu das Marathonfeld, dass noch recht eng beieinander war und schließlich irgendwo auf diesem Streckenteil das Auflaufen der führenden Halbmarathonis, die dafür sorgten, dass es nun mit der Ruhe für eine ganze Weile vorbei war.

Schließlich rein nach Buch. Hier begrüßte schon ein großes Banner über der Straße die Läufer und viel gute Stimmung an der Party-Theke des Dorfes sorgte für gute Laune auch bei uns Läufern. Dann ran an die Verpflegung und schließlich wieder rein in die Elbniederung Richtung Schelldorf. Dieser Teil der Strecke ist beeindruckend und anstrengend zugleich. Die unendlich scheinende Strecke biegt irgendwann nach rechts ab, um in eine ca.3km lange Wendepunktstrecke mit Wende in Schelldorf zu münden. Auf dem Hinweg hat man hier die schnelleren Marathonis auf der anderen Straßenseite, kommt man aus dem Dorf zurück, läuft einem das Hauptfeld der Halbmarathonis entgegen. Hier pulsiert der Elbdeichmarathon und wird vom Landschaftslauf zu einem echten Stadtlauf und das mitten im Landschaftsschutzgebiet der altmärkischen Elbniederung. Da ist eben was für alle dabei.

Von dort geht es schließlich auf den anstrengendsten Teil –gerade bei der zweiten Runde- des Elbdeichmarathons. Jetzt geht es am Deichfuss zurück Richtung Tangermünde. Schon auf der ersten Runde gab es einen kleinen Vorgeschmack dessen, was uns Marathonis hier auf der zweiten Runde erwarten sollte. Nämlich Windstille und jede Menge warme Sonne. Aber egal dachte ich mir, bis hierhin auf der zweiten Runde ist noch Zeit, also weiter Laufen und Landschaft genießen.

Schließlich führte die Strecke auf den Deich und der Blick schweift über die Elbe, wobei nach und nach die Altstadtkulisse von Tangermünde in Sicht kommt. Wie sagte der Pastor sinngemäß bei der Läuferandacht. Irgendwann seht ihr in der Ferne den Kirchturm, der euch aus Tangermünde grüßt. Jetzt war es soweit. Rechts, auf der anderen Elbseite, sah man zudem die zwei mächtigen Türme des Klosters Jerichow. Weiter ging es durch die Baumallee, die den Deichweg säumte in Richtung Tangermünde, rein in den Start/Zielbereich und wieder raus auf die zweite Runde.

Nun folgte das Kontrastprogramm. Jetzt, auf der zweiten Runde, war Schluss mit Betriebsamkeit auf der Strecke. Wurde man in Tangermünde noch von den vielen Zuschauern mit mächtige Applaus auf die zweite Runde geschickt, war man jetzt für sich. Es ist die Zeit, wo man als Marathonläufer auch ein stückweit mit sich selbst klar kommen muss. Laufrhythmus halten, Puls kontrollieren abwechselnd gegen Sonne, Weite und Wärme kämpfen. Von Verpflegung zu Verpflegung denken und einfach laufen.

Trotz alle dem, es war schön. Es war ruhig, über einem sah man zwar keine Vögel aber es zwitscherte irgendwie von überall her. Eine Wahrnehmungstäuschung war das übrigens nicht, denn es haben auch andere gehört :- )

Schließlich wieder rein nach Boilsdorf und weiter nach Buch. Auch wenn es ruhig auf der Strecke war, alleine war man nie. Immer wieder die Posten der Elbdeichmarathon-Helfer, die anfeuerten und „Wache schoben“. An die sei hier auch mal ein dickes Danke vergeben! Schließlich wieder auf die Wendepunktstrecke vor Schelldorf. Hier konnte man gut sehen, wer vor einem und hinter einem lief und das jeder seinen eigenen Kampf zu bestehen hatte. Klar war aber auch, dass noch so mancher Platz nach vorne ging, denn einige vor mir platzierte Läufer waren doch schon arg geschafft und das Anstrengendste folgte ja noch, der Weg am Deichfuss entlang.

Da, wo jetzt um die Mittagszeit die Sonne ihre volle Wärme ausgepackt und der Wind komplett eingepackt hatte. Schritt um Schritt mit Blick Richtung Boden. Einfach nur aufs Laufen konzentrieren und den Rhythmus halten. Irgendwann ist auch das geschafft. Und keine Frage, so war es. Schließlich tauchte die Verpflegung ca. 5km vor Tangermünde auf, wo auch die 10km-Wendemarke ist. Von dort wieder rauf auf den Deich, noch eine Verpflegung mit nehmen, wo jeder Marathoni traditionell mit Eye-of-the-tiger begrüßt wird und ein letztes Mal durch die Baumallee auf den Deich. Der letzte rechtsschwenk hat es optisch schließlich wieder in sich. Jetzt sieht man „Mitten“ in der Deich-Allee von weitem den Kapitelturm des Tangermünder Schloss. Einfach nur stark.
Dann bei km41 kommt man aus der Allee und läuft auf die Altstadt Kulisse zu. Hier ist der tollste Punkt der Strecke und für mich der Punkt, wo ich bei meinem 10. Elbdeichmarathon einfach nur ein paar Meter gehe und die Aussicht genieße. Die Laufzeit ist eh egal, dieser Moment ist immer mein persönliches Ziel beim Elbdeichmarathon. Von weitem hört man schon die Musik sowie den nimmer müden Moderator Thomas und man weiss, gleich gibt es wieder Gänsehautfeeling beim „offiziellen“ Zieleinlauf. Aber hier ist Zeit, um das alles zu genießen.

Also nochmal anlaufen, nochmal etwas Tempo aufnehmen. Vom Deich runter, einmal rechts, einmal links. Dann kommt die Zielgerade mit den vielen Zuschauern in Sicht. Noch ein paar 100 Meter, dann rein in den Zielkorridor und die besondere Stimmung aufnehmen. Thomas, der jeden  Läufer „anmoderiert“, läuft noch ein Stück neben mir mit und dann geht es mit 4:03h zum 10.mal über die Ziellinie des Elbdeichmarathons. Es ist und bleibt geil.

Nach dem Lauf finden sich nach und nach die WLTler, um sich mit viel guter Laune und tollen Erlebnissen auf die Heimreise zu machen. Und dass man im Zielkorridor für eine besondere Stimmung sorgen kann, zeigten 5 unserer Halbmarathonis, die eine weitere Läuferin in ihre Mitte nahmen, um Hand in Hand, sozusagen in sechserReihe, über die Ziellinie zu laufen. Eine tolle Aktion, die auch im Nachgang noch für viel Lob und positive Emotionen sorgte.

Als Fazit bleibt, was seit dem ersten Elbdeichmarathon in Tangermünde Bestand hat. Eine sehr familiäre und sehr gut organisierte Laufveranstaltung, die mit Recht ihren Platz unter den Top Veranstaltungen im deutschen Marathonkalender gefunden hat. Ich komme wieder, keine Frage. Dann mag einiges anders sein aber eines bleibt: laufen bei Freunden in der Elbniederung der Altmark in und um Tangermünde.