Erstellt von Fritz Rietkötter

Der Elbdeichmarathon in Tangermünde gehört, dass mögen die sich jährlich wiederholenden Spitzen - Platzierungen bei den Marathonwertungen in Fachzeitschriften belegen, mittlerweile sicherlich zu den TOP Veranstaltungen in Deutschland. Eines ist aber auch unumstößlich sicher: diesen Zuspruch muss man sich Jahr um Jahr neu verdienen. Dass die Organisatoren und Helfer diesem Anspruch immer wieder mehr als gerecht werden, zeigte der 8. Elbdeichmarathon bei schönstem, sonnigen Frühlingswetter auch dieses Jahr wieder.

Los ging es für den Wildeshauser Lauftreff, der mit Läufern und Fans anreiste (28 Personen), am Samstagmorgen um 8 Uhr. Vorweg am Freitag hatten sich schon Alfred mit seiner Frau Karin, Rudi und Rudis Schwester Karin mit Mann auf den Weg gemacht. Nachdem das Wichtigste, der Kuchen für die obligatorische Rast zur Fahrtzeitmitte, verstaut war und sich alle WLTler auf die drei Kleinbusse verteilt hatten, ging es los in Richtung Tangermünde. Der Kuchen wurde dieses Jahr von UtaL und Patricia gebacken, lecker wie immer. In der Altmark angekommen, ging es zunächst nach Genthin, um die Zimmer zu beziehen und die Beine hochzulegen. Schließlich stand ein Aktiv – Wochenende mit Kultur, Geselligkeit und Sport auf dem Programm des WLT. Da hieß es mit den Kräften zu Haushalten.

Für den Samstag Nachmitttag und Abend standen zweifelsfrei die Punkte Kultur und Geselligkeit im Mittelpunkt. Erst ein gemütliches Stück Kuchen bei Café Engel auf der Gartenterrasse im Hinterhof, dann eine Stadtführung mit Besichtigung des historischen Rathaussaales, der Tangermünder Kirche sowie jede Menge Wissenswertes rund um die über 1.000 jährige Kaiser Stadt an der Elbe. Abgesetzt wurden wir nach dem Stadtbummel von der Gästeführerin schliesslich auf der Sonnenterrasse des Tangermünder Schloss. Von hier hat man einen tollen Blick über die Elbniederung und hinunter zum Marathon Gelände. Naja und etwas für den Feuchtehaushalt des Körpers wurde natürlich auch getan, also alles im Plan…

Nach der Pause auf der Sonnenterrasse ging es zum Marathon Gelände. Ein wenig die Lage peilen, die Startnummern abholen und anschließend zum Strategiegespräch in den historischen Rittersaal der „Alten Zecherei“. Diese Restaurant wurde in dem Gebäude einer ehemaligen Kirche eingerichtet und bietet ein einmaliges mittelalterliches Ambiente. Genau der richtige Rahmen für einen geselligen Abschluss des Tages.

Der Marathon Morgen fing mit den immer gleichen Fragen an? Wie wird das Wetter, welche Laufsachen zieht man an? Leicht windig sollte es werden, dazu etwas bewölktes Wetter sowie zwischendurch einige sonnige Passagen. Tatsächlich bekamen wir aller schönstes, sonniges Frühlingswetter mit fast 20 Grad geboten. Dazu gab es später auf der Strecke eine nette Brise Wind und aller schönste Weitblicke in die Elbniederung. Petrus ist eben ein Läuferfreund.

Nachdem das Marathon Gelände erreicht war, blieb noch etwas Zeit, um in geselliger Runde zu plauschen und das sich langsam füllende Marathongelände zu beobachten. Schon interessant, wie unterschiedlich die vielen Läufer doch sind, auch wenn sie alle ein gemeinsames Interesse haben. Zudem wollte ein Teil der WLT.Gruppe noch an der Läuferandacht teilnehmen. Eine sehr schöne Idee, für ein viertel Stündchen inne zu halten und sich auf diesen Marathontag mit seinen vielen Herausforderungen, Eindrücken und Höhepunkten zu besinnen. Da auch die Kirchenoberen bereits in Laufsachen gekleidet waren und in diesem Outfit an der Kanzel standen, wurde diese kurze Andacht in einem sehr lockeren und angenehmen Rahmen abgehalten. Die Idee der Andacht und die Art der Ausführung sind wirklich empfehlenswert. Das sich so viele Läufer schon morgens dort eingefunden hatten, war für mich dann auch eine positive Überraschung.

Und dann war es endlich soweit, pünktlich um 10.00 Uhr wurde das Läuferfeld von knapp 400 Marathonis auf die Strecke geschickt. 10 Minuten später folgten das Halbmarathonfeld und weitere 10 Minuten später die 10km Läufer. Unter dem Beifall vieler hundert Tangermünder ging es rein in diesen Lauf. Erst entlang des Tangers durch Tangermündens sonnige Stube (wie der Bürgermeister die Hafenpromenade mit der tollen Altstadtkulisse einmal bezeichnet hat) und schließlich raus aus der Stadt und rein in die Elbniederung. Hin zu den Dörfern Boilsdorf und Buch, wo die Einwohner wieder für Stimmung sorgten. Dann weiter entlang von Felder und Wiesen Richtung Elbe. Schließlich in einer kurzen Schleife hinter dem Deich und zu einer Wendemarke. Dieser Teil der Strecke war schon beeindruckend. Denn hier trafen sich das Marathon- und Halbmarathonfeld zu einem Stelldichein. Bereits von weitem sah man die vielen hundert Läufer, die sich hier durch die Streckenführung mehrmals begegneten. Ein beeindruckendes Bild in der weiten Elbniederung. Hier, wo sich diese endlos scheinende Läuferschlange durch die gut befestigten Feldwege und entlang des Deiches schlängelt. Schließlich führte die Strecke weiter am Deich entlang und wieder rein nach Tangermünde. Für die Marathonis ging es vor der Ziellinie über die Wendemarke und erneut raus auf den zweiten Teil des Rundkurses, die Halbmarathonis hatten jetzt bereits ihre Ziellinie erreicht. Die Stimmung und das Ganze drum rum sorgten schon jetzt für ein echtes Gänsehautfleeling.

Auf der zweiten Runde war man dann für sich und konnte die Landschaft genießen, soweit der Gegenwind auf den ersten 7km und die Marathonstrapazen das überhaupt zu lies. Endlos weit scheinende Straßen durch die Felder der Elbniederung waren hier auch für die Psyche ein „optische Herausforderung“. Schritt um Schritt ging es Minute für Minute über diese nicht enden wollende Straße. Laufrhythmus hochhalten und durch, eine simple wie effektive Vorgehensweise. Hatte ich mein Lauftempo für die erste Runde noch etwas an den schnelleren Halbmarathonis ausgerichtet, war die zweite Runde eher ruhiger geplant. Jetzt ging es darum, den Puls ruhig zu halten, das Lauftempo konstant zu lassen und zunächst dem Gegenwind Paroli zu bieten. Jetzt sollte wieder das ruhige UltraMarathon Tempo trainiert werden und dennoch der eine oder andere Platz in der Gesamtwertung gut gemacht werden. Kurz vor Buch folgte eine Wind stille Passage, wo man schon einen ersten Eindruck davon bekam, was einem im Windschatten am Deichfuss in voller Frühlingssonne erwarten sollte. Da wurde es warm und anstrengend. Aber warum auch nicht, es war ja Marathon.

Immer wieder ein Blick auf die Pulsuhr und wieder die Erkenntnis, dass alles ok war. Ab und an überholte ich einen Läufer, dann zogen irgendwann Rudi, Wolfgang und Ralf an mir vorbei. Schließlich wieder Puls kontrollieren, wieder ran an eine der alle ca. 4km bereit stehenden Verpflegungsstationen, erfrischen und weiter. Laufrhythmus aufnehmen, Schritt um Schritt rein in die Elbniederung. Jetzt war wieder der Streckenabschnitt erreicht, wo eben noch so viel Läuferverkehr war. Anstelle einer „bevölkerten“ Laufstrecke herrschte hier jetzt absolute Ruhe. Nur die Helfer auf Ihren Posten waren da und feuerten jeden Marathonläufer lautstark an, das war toll und motivierte für die nächsten Kilometer!

Nachdem auch diese Passage geschafft war, ging es ein letztes Mal am Deichfuss entlang. Hier wurde es jetzt zur Mittagszeit deutlich wärmer. Vor mir tauchte ein Läufer auf, der merklich zu kämpfen hatte. An dem ging es langsam aber stetig vorbei und dann zur letzten Verpflegung. Hier gab es nicht nur die nötige Erfrischung sondern zudem ordentlich Bässe auf die Ohren. Die von Triathleten organisierte Verpflegung half einem, die Kräfte erneut zu mobilisieren und die letzten Kilometer gut gestärkt anzugehen. Von hier aus führte die Strecke auf dem Deich entlang. Der Blick über die Elbe auf den Kirchturm und die Altstadtkulisse von Tangermünde war schon toll. Anschließend führte die Strecke noch ca. 4km den Deich entlang und mit einer letzten Kurve, wo nochmals motivierende Helfer lautstark für Unterstützung sorgten, rauf auf die Zielgerade. Da war es wieder, dieses besondere Gefühl beim Einlauf in den Hafenbereich. Auch wenn es die achte Teilnahme am Elbdeichmarathon für mich war, so bleibt dieses besondere Gefühl beim Einlauf in die Zielstrecke vor der Stadtmauer, den Altstadttürmen, dem Tanger und den vielen applaudierenden Zuschauern an den Absperrungen doch immer gleich. Für diese letzten Meter lohnen sich alle Strapazen, lohnen sich die vielen Trainingskilometer, der Kampf gegen den Wind auf der Strecke. Hier ist der Höhepunkte des Elbdeichmarathons, hier auf den letzten Metern vor der Ziellinie. Es macht einfach Spass, hier unter Freunden zu laufen. Schließlich blieb für mich die Uhr bei 4:01:23h stehen, was den 21 Rang in der Altersklasse und den 54. Gesamtplatz bedeutet.

Das Fazit bleibt, wie jedes Jahr, gleich: toll organisiert, das Helfer Team um Organisator Carsten Birkholz hat wieder einen super Job gemacht und Tangermünde ist ein würdiger Rahmen für diese Laufveranstaltung. Ein Marathon Event, das von der ganzen Stadt und den umliegenden Dörfern mit ihren Vereinen getragen wird. Eine Tatsache, die auch sehr treffend in der Läuferandacht formuliert wurde. So berichtete beispielsweise später eine Helferin, dass sie mit mehreren vom Reitverein Stendal kam, um den Elbdeichmarathon zu unterstützen. Helfer, die die Läufer auch an Stellen anfeuerten und engagiert „mitgingen“, wo man sonst nie jemanden erwarten würde. Das ist schon ein Novum. Zudem immer freundliche Helfer an den Verpflegungsposten. Viel Spass in den Dörfern und eben Tangermünde und die Elbniederung. Was nicht vergessen werden darf: die perfekt organisierte Duschen-/Umkleidebereich direkt im Marathongelände. Einen solchen Duschtruck habe ich noch nicht gesehen. Damit setzt der Elbdeichmarathon zweifelsfrei echte Maßstäbe auch neben der Strecke.

2016 werde ich zu dem dann neunten Mal teilnehmen, denn dann startet im April der 9. Elbdeichmarathon in Tangermünde.