Erstellt von Fritz Rietkötter

Die siebte Teilnahme am Elbdeichmarathon bot wieder alles, was ein Marathon – Wochenende nur bieten kann. Jede Menge Spass mit dem Team des Wildeshauser Lauftreff, eine tolle Stadt mit Tangermünde und die naturnahe Elbniederung. Dazu ein „fast“ optimales Wetter, es war also angerichtet.

Los ging es am Samstag gegen 8.30h in dieses Laufwochenende. Das alle gut drauf waren, war schon früh morgens unüberhörbar. Nachdem schließlich alle Gepäckstücke verstaut waren -man glaubt garnicht, was da alles zusammen kommt- hiess es „auf geht’s“. Der traditionelle Kuchenstopp zur „Halbzeit“ auf dem Autorasthof bei Helmstedt durfte dabei natürlich ebenso wenig fehlen, wie der eine oder andere schlaue Kommentar zum -in diesem Fall Andreas seinem- Apfelkuchen. Anschließend fuhren wir auf dem direkten Weg ins Hotel „Grüner Baum“, das an einem Altarm der Elbe, ganz in der Nähe von Tangermünde, liegt. Ruhig und mit einem Tick „Naturromantik“, also absolut passend für dieses Wochenende. Nach dem Zimmerbezug folgte das Tangermünder Rahmenprogramm mit Cafe – Engel, Stadtbummel, Bierchen auf der Burgterrasse incl. Elbblick, dem Abholen der Startunterlagen, einem Kuhschwanzbier in einer echt urigen Kneipe und jede Menge Spass.

Am nächsten Morgen stand schließlich noch die obligatorische Frage nach der Wahl der richtigen Laufbekleidung auf dem Programm und dann ging es rein in den Marathon – Tag. Als wir im Start/Zielbereich eintrafen, füllte sich bereits die Hafenpromenade vor der herrlichen Altstadt – Kulisse mit den 2.000 Läufern. Jetzt gab es wieder viel zu beobachten und natürlich Zeit genug, um sich stressfrei auf den Startschuss und die folgenden Wettkampfkilometer unserer Läufe vorzubereiten. Pünktlich um 10.00h wurde schließlich das Marathonfeld auf die Reise geschickt. 10Minuten später war Andreas zum Halbmarathon und weitere 10Minuten später Karin zum 10km-Lauf dran. Es ging also Schlag auf Schlag.

Nach dem Verlassen des Hafengebietes führte die Marathonstrecke durch Tangermünde und raus in Richtung Boilsdorf. Leicht bewölkter Himmel mit sonnigen Abschnitten und Temperaturen bis um die 15 Grad mit jeder Menge Wind begleiteten uns die nächsten Stunden. Friedlich lag sie da, die Altmark um Tangermünde. Die Felder teilweise gelb von Löwenzahnblüten, Rapsfelder die sich im Wind wiegten und das einen oder anderen Viehzeug auf den Wiesen. Noch kein Hinweis darauf, dass es hier auf der zweiten Runde um echte körperliche Strapazen und einen Kampf gegen den inneren Schweinehund und gegen die unaufhörlich tickende Uhr ging. Stattdessen Ruhe, Beschaulichkeit und Landschaft pur. Hinter Boilsdorf öffnet sich die Strecke in die Weite der Elbniederung. Ein herrlicher Blick in die Felder und Wiesen mit einigen Kirchenspitzen (u.a. Kloster Jerichow) am Horizont. Weiter ging es Richtung Buch, Schelldorf, dann ran an den Deichfuss, auf die Deichkrone und wieder rein nach Tangermünde auf die Hafenpromenade zum Wendepunkt.

Hier, wo die erste Runde vorbei war, gab es schon jetzt einen grandiosen Einlauf ins Start / Zielgebiet und damit zur Marathon - Wendepunkt - Marke. Mit großen Applaus schicken die dicht gedrängten Tangermünder Zuschauer das Marathonfeld auf die zweite Runde und nahmen die Halbmarathonläufer im Ziel auf.

 

Eine zweite Runde, auf der der eigentliche Marathon erst beginnen sollte. Jetzt war Schluss mit Ruhe und Beschaulichkeit, Schluss mit einem entspannten genießen der Laufstrecke. Denn jetzt kam das, was sich schon am Morgen angekündigt hat: Wind, Wind und nochmals Wind. Wieder rauf auf die unendlich gerade scheinenden Landstraße raus Richtung Boilsdorf. Hier, auf bestem Laufuntergrund (die Landstraße war noch dem Elbhochwasser neu gebaut), lief es fast wie von alleine. Der Laufrhythmus passte, der Puls lief im grünen Bereich. Dazu der ständige Begleiter: Wind von vorn. Also Schritt um Schritt weiter, bei jeder Kilometer-Angabe die Laufzeit kontrollieren, alles passte. Dann nochmal durch Boilsdorf, den Applaus der Dorfbewohner mitnehmen. Den Bass auf die Ohren legen, mal was anderes als Windgeseusel. Verpflegung aufnehmen und wieder rein in die weite Elbniederung. Von weitem tauchte wieder Buch auf. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass jetzt der schlimmste Teil folgen sollte. Denn von Buch nach Schelldorf und von dort an den Deichfuss war sie wieder zu bewältigen, diese ca. 8km lange Strecke. Da wo der Wind unablässig jeden Marathonläufer bei der zweiten Runde auf die Probe stellte. Da, wo die Kraft gegen den Wind und die Ausdauer für Laufstrecke gleichermaßen gefordert wurden. Für mich hiess das, Mütze ins Gesicht ziehen und nur noch auf den Laufrhythmus konzentrieren. 8km mal nicht die Landschaft auch ein Stück weit genießen sondern einzig auf den Marathon fokusiert sein. In Schelldorf angekommen nochmals Verpflegung aufnehmen und abermals rein in den Wind. Jetzt ging es auch ans überholen. Hier zeigte sich, welcher Läufer seine Kraft richtig eingeteilt hatte und wer nicht. Jetzt ging es aber auch um die eigene Zielzeit. Auf den ca. 5km um Schelldorf und zum Deichfuss kann man alles gewinnen und alles verlieren. Der Körper hatte jetzt Schwerstarbeit zu leisten. Keine unnötiger Gedanke, kein unnötiger Schritt, nur die Strecke vor Augen und die Zeit im Kopf.

Nachdem dieses Stück geschafft war, folgten die nächsten 3 km am Deichfuss. Hier kann man in der Wärme eingehen oder im Wind verwehen. Dieses Jahr gab es hier satt Wind auf die Ohren. Jetzt, bei ab ca. km35 bis km39 entschied sich schließlich der Erfolg des Marathons. Jetzt zeigte sich, ob genug Kraft übrig geblieben ist, um die letzten Kilometer anzugehen und das Tempo hochzuhalten. Und es funktionierte. Schritt um Schritt, Meter um Meter. Der Puls schlug am Anschlag, der Wind dröhnte in den Ohren. Es rauschte teilweise gefühlt so laut in den Ohren, dass man meinte, man würde sein Ohr an eine Muschel halten.

Dann kam die Deichkrone wieder in Sicht. Endlich dachte ich nur. Bis hierhin ist es geschafft. Den Deich rauf und dann einen Blick nach rechts. Von hier bekam man einen herrlichen Blickblickwinkel über die Elbe bis zum Tangermünder Kirchturm. Gleichzeitig ist dies eine letzte Motivationsspritze. Denn das Ziel war förmlich vor Augen, auch wenn noch einige Kilometer dazwischen lagen. Die letzte Verpflegungsstelle folgt ca. 3km vor Tangermünde. Wie jedes Jahr gab es „Eye of the tiger“ als Endlosschleife zu hören. Wie sagte ein Helfer mit einem Lächeln: „extra für Euch!“ Ja, wie Recht er doch hatte. Sonst war außer den Helfern und uns Marathonis ja keiner da. In diesem Rhythmus folgten schließlich die letzten Kilometer. Vor mir tauchte Tangermünde auf, die Altstadt – Kulisse, der Speicher. Rechts die Elbe. Ein wie immer herrlicher Anblick. Dazu strahlender Sonnenschein, als ob auch Petrus nochmal einen „raus hauen“ wollte, um den Elbdeichmarathon seinen -wie gewohnt- sonnigen Stempel aufzudrücken.

 

Dann runter vom Deich, in einer rechts – links Kurve auf die Hafenpromenade und die letzten 1.000m genießen. Das Zielbanner, das bereits von weitem die Läufer begrüßte, das Tangermünder Publikum, das jeden Läufer förmlich einzeln ins Ziel trug und Thomas -der Moderator- der jeden Läufer begrüßte. Es ist schon erstaunlich, wie man an einen ganzen Tag eine solchen Veranstaltung ohne Pause moderieren kann. Für diese letzten Meter lohnen sich die Strapazen immer. Dann die Ziellinie und der Blick auf die große Uhr beim Zielbanner. Es war geschafft. Mit 3:42h ging es mit einer TOP10 – Platzierung in der AK-Wertung über die Ziellinie. Glücklich und zufrieden über das Ergebnis und diesen, wie immer tollen Landschaftslauf.

 

Im Ziel kamen mir Andreas, Karin und Wolfgang schon entgegen. Alle drei mit Top Zeiten und einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Kurz nach mir folgte Alfred, der ebenfalls mehr als zufrieden war. Nun fehlte noch unser Marathon – Debütant Dennis mit Ralf, der ihn bei diesem ersten Marathon begleitet hat. Im Vorfeld hatten wir eine Zeit von um die 4:45h ins Auge gefasst, was die beiden grandios unterboten. Nach einem emotionalen Höhepunkt beim Einlauf in den Zielbereich blieb die Uhr schließlich bei 4:37h stehen. Neben einer tollen Erst-Finisher-Zeit ein mit Sicherheit unvergessliches Erlebnis. Und wie „abgesprochen“, lief dann im Zielbereich „Tage wie diese“ von den Toten Hosen. Wohl das erste Mal, dass hier beim Elbdeichmarathon eine Laufgruppe im Zielbereich lautstark mitgesungen und den neuen Marathoni mit einem Glas Sekt gefeiert hat.

Mit ausreichend Stärkung in fester und flüssiger Form ging schließlich die siebte Teilnahme am Elbdeichmarathon für uns zu Ende. Eines bleibt aber auch immer erwähnenswert. Hier in Tangermünde erheben sich die Zuschauer auch für den letzten Läufer. Für den Läufer, der vermutlich am meisten zu kämpfen hatte und mit fast 6Stunden über die Ziellinie ging, ein absolut faire Geste! Das Fazit bleibt, wie jedes Jahr, gleich: toll organisiert, das Helfer Team um Organisator Carsten Birkholz hat wieder einen super Job gemacht und Tangermünde ist ein würdiger Rahmen für diese Laufveranstaltung. Ein Marathon Event, dass sich in kürzester Zeit zu einer wichtigen Laufveranstaltung im bundesweiten Laufkalender gemausert hat. Schon lange im Vorfeld ausgebucht, incl. Internationalen Teilnehmern und mit namhaften Läufer im TOP-Bereich belegen, das sind zweifelsfrei Hinweise auf eine anspruchsvolle Veranstaltung. Auch 2015 werde ich zum achten Mal teilnehmen, denn dann startet im April der 8. Elbdeichmarathon in Tangermünde.