Erstellt von FRank Eckert

Ein kleiner Verein von 60 Mitgliedern sorgt für eine große Laufatmosphäre für 1800 Teilnehmer

Einen Marathon ist Carsten Birkholz noch nie gelaufen. 42,195 Kilometer - allerhöchstens mal mit dem Fahrrad entspannt geradelt. Dann aber auch hin und zurück. Denn, so sagt der durch den Deutschen Leichtathletikverband (DLV) zertifizierte Streckenvermesser, "man muss die Strecke zweimal abfahren, in beiden Richtungen zum Ausmessen", dann erst gilt die Strecke als korrekt, erläutert Birkholz, im richtigen Arbeitsleben Einkäufer beim Weltkonzern Volkswagen.

Überhaupt laufen: Er schaut lieber zu. Und trotzdem weiß Birkholz, was so ein Marathon bedeuten kann. Er fühlt nicht nur mit; er weiß es schlichtweg. Denn einen Marathon kennt er. Der sieht bei Carsten Birkholz nur ein bisschen anders aus: Nicht laufen, kein Asphalt unter den Sohlen, dafür tausende Antworten schreiben auf tausende E-Mails. Die Computertastatur ist sein Asphalt.

Ein zweites Leben seit den Herbsttagen 2009

In vier Jahren, erzählt der gerade-noch-27-Jährige habe er alle, "ja wirklich alle" zwölftausend E-Mails beantwortet. Das ist dann mal sein ganz persönlicher Marathon, der bis heute andauert. Und über den Sonntag, wenn beim 6. Tangermünder Elbdeichmarathon der letzte der 1800 Teilnehmer über die Ziellinie gelaufen ist, weiter andauert.

Marathon, das ist seit den Herbsttagen 2009 so eine Art zweites Leben des schlanken, froh dreinblickenden Mannes geworden. Es könnte beinahe sein Beruf sein, ist aber seit fast vier Jahren seine Berufung. Mit anderen Mitstreitern zusammen wie dem Unternehmer Thomas Staudt oder den anderen Mitgliedern des Tangermünder Elbdeichmarathon-Vereins. Damals, vor gut dreieinhalb Jahren, waren sie "acht mutige und verrückte Leute", sagt Vorsitzender Staudt, er schon mal zehn Kilometer mitlief. "Mehr nicht. Die goldene Startnummer von einst hat er auch nicht mehr. "Die habe ich einem Nachbarn geschenkt." Was zählt, ist die Idee fürs Laufen. Staudts Mannen wollten den Marathon nicht einfach so austrudeln lassen.

Das wäre wohl geschehen, wenn niemand die Chance ergriff und damit die Rettung der größten Volkslauf-Veranstaltung im Norden Sachsen-Anhalts am Leben gehalten hätte.

Der Tangermünder Leichtathletik-Verein war nach zweimaligem Organisieren ausgestiegen. Es drohte der Abschied vom Laufen aus Tangermünde. Dann kamen Staudts und Birkholz' Leute und gründeteten einen Verein, speziell für nur dieses eine Ziel - den Marathon in Tangermünde. Und der TLV ist dennoch dabei - etwa mit Juliane Milkowski. Die 22-jährige Mehrkämpferin ist in beiden Vereinen aktiv und steht als symbolische Bindeglied für beide; am Sonntag sorgt sie am Rand dafür, dass alles klappt.

"Ich finde es einfach toll, dass wir so eine traditionsreiche Laufveranstaltung in Tangermünde hatten und haben", sagt Birkholz, der für sein Engagement im vorigen Jahr mit einem Blumenstrauß des Monats der Volksstimme für sein Engagement geehrt worden war. Birkholz schmunzelt verlegen; nicht der Rede wert, soll das wohl heißen. Es bleibt dennoch ein Start-Ziel-Sieg bis heute für die Marathon-Macher aus Tangermünde.

Ihr Marathon für 2013 ist gelaufen

Und wenn der Startschuss am Sonntag zum großen Lauf fällt, dann haben Staudt, Birkholz und Co. einen anderen Knall längst gehört - den für den 7. Elbdeichmarathon im kommenden Jahr. "Wir wissen ja schon, wann er stattfinden wird und die Sponsoren müssen wir auch schon wieder aktivieren." Für den 13. April 2014. Dann ist wieder Marathon auf dem Elbdeich von Tangermünde. Der aktuelle ist für die mittlerweile 60 Mitglieder des Elbdeichmarathonvereins schon gelaufen.

Ihren Marathon der Vorbereitungen, der so richtig immer ab Silvester jedes Jahr beginnt, haben sie als Organisations-Läufer hinter sich. Jetzt können sie nur noch zuschauen. "Es muss einfach alles klappen." Dass es das wird und diese Hoffnung möglichst nie stirbt, dafür sorgen die alte Kaisermetropole Tangermünde mit ihrer Verwaltung, mit Bürgermeister und Schirmherr Rudolf Opitz, die über 280 Helfer an der Strecke und im Stadt- und Hafenbereich, natürlich die vielen Sponsoren und das Publikum an der Strecke.