Erstellt von Fritz Rietkötter

Laut Wetterbericht stand ein sonniges Wochenende vor der Tür, das mit optimalen Laufbedingungen glänzen sollte. Und das es auch ein erfolgreiches Laufwochenende werden würde, liessen die Ergebnisse aus der Vorbereitung erahnen.

Der Start am Samstag morgen gegen 9.30Uhr in Richtung Tangermünde verlief planmäßig. Matthias, Patricia und ich bekamen zunächst einen Kaffee von Maria serviert und anschließend ging es dann in Richtung Altmark. Nach einem Zwischenstopp waren wir pünktlich um 13.00Uhr in Tangermünde, konnten unsere Zimmer beziehen und uns anschließend die Stadt anschauen sowie beim Töpfer shoppen --Maria hatte uns da so ihre Wünsche mit auf den Weg gegeben... Dazu ein Kuchen im Kaffee Engel (das ist Pflichtprogramm) und ein Alster auf der hochgelegenen Gartenterrasse des Tangermünder Schloss mit aller bester Weitsicht in die Elblandschaft. Ein herrliches Erlebnis, schließlich ist ein Laufwochenende nicht nur zum Laufen gedacht. Gegen 17Uhr ging es dann zur Startnummernausgabe und anschließend zur Pasta beim Italiener.

Der neue Veranstaltungsplatz, ehemals auf dem Marktplatz, nun aus Platzgründen auf der Tangermünder Hafenpromenade, zeigte schon von weitem, wie sich der Elbdeichmarathon seit dem ersten Start vor vier Jahren erfolgreich entwickelt hat. Ein großes Zelt für die organisatorischen Abläufe sowie ein großzügig gestalteter Start-/Zielbereich machten schon am Vortag einen richtig guten Eindruck. Dazu die Altstadt im Hintergrund bei sonnigem (fast) Sommerwetter. Alles in allem ein beeindruckendes Bild! Schon jetzt, am Vortag, war jede Menge los. Bei der zweiten Kuchen-und-Kaffee-Runde, diesmal im Zelt, gab es viel zu schauen und zu beobachten.

Am nächsten Morgen war es dann endlich soweit. Nach dem Frühstück ging es mit Matthias und Patricia gut gelaunt zum Marathongelände. Die Sonne schien bereits um 9.00Uhr kräftig vom Himmel und kein Wölkchen trübte die Aussicht, absolutes Kaiserwetter. Wie gewohnt, auch am neuen Marathonplatz, zeigte diese Veranstaltung wieder ihren familiären Flair. Keine Hektik, kein Stress, ausreichend Toiletten (ist ja wirklich nicht überall üblich…) sowie eine kurze Vorstellung des erfolgreichen Orga – Teams mit Carsten Birkholz an der Spitze waren das “Vorprogramm” bis es anschließlich mit dem Bürgermeister zur Startlinie ging. Der Bürgermeister, der die Tangermünder Promenade soeben noch als „Veranda Tangermündes“ absolut treffend beschrieben hat, gab schließlich den Startschuss zum Marathonlauf.

Der Streckenverlauf, aufgrund eines Deichschadens nach dem Winterhochwasser nur an einer Stelle etwas verändert, unterschied sich zu den Vorjahren nur dadurch, dass es von der Promenade direkt Richtung Elblandschaft ging und nicht wie sonst durch die Innenstadt führte. Vor der beeindruckenden Tangermüner Altstadt – Kulisse drehte das Läuferfeld erst eine ca. 1km lange Runde über die Hafenpromenade bis es schließlich über den Deich in die weiten Elbauen Richtung Bölsdorf und Buch ging. Die Marathonis hatten die Strecke im Gegensatz zu den Halbmarathonis zweimal zu durchlaufen und die 10km-Läufer wendeten vor dem NABU – Aussichtsturm. Auch dieses Jahr hatte die Elblandschaft wieder alles zu bieten. Neben Gänse und Kranichen waren Störche zugegen und es gab jede Menge Ruhe und aller besten Weitblick. Frühlingstemperaturen auf der ersten Runde und die im leichten Grün stehenden Bäume an der Elbe zeigten schnell, dass dieser Lauf eine ganz besondere Veranstaltung im alljährlichen Marathonkalender ist. Sie hebt sich eben auf besondere Weise ab.

Mein persönliches Ziel dieser Marathonveranstaltung war einfach zusammengefasst: Möglichst in die Nähe meiner letztjährigen persönlichen Bestzeit kommen und eine gute Leistungsbestimmung auf den Weg zum ersten Ultramarathon abzuliefern. Vorweg sei gesagt, dass das Ziel übererfüllt wurde. Mit 3:29Stunden erzielte ich meine persönliche Bestzeit und das Ergebnis vom letzten Jahr wurde damit um 4 Minuten verbessern. Zudem viel die magische Grenze von 3:30 Stunden, was ein Tempo von unter 5Minuten pro Kilometer machte, ich war überglücklich im Ziel.

Nach dem Startschuss hiess es somit erst einmal, den Laufrhythmus zu finden und die herrliche Tangermünder Altstadt - Kulisse genießen, vor dessen Bild dieser rundum gelungener Lauf startete. Nach etwa 1,5km ging es schließlich auf den Elbdeich und damit startete der Versuch, die eigene Bestmarke zumindest einzustellen. Bei km2 war der Laufrhythmus gefunden, der Puls lief ruhig und mit 4:47Minuten pro Kilometer ging es planmäßig Richtung Bölsdorf, dem ersten Dörfchen auf der Strecke. Dort steppte wieder der Bär oder wie sagte der Bürgermeister vor dem Startschuss, alle 110 Bürger sind an der Strecke. So war es auch. Musik, gute Laune, farbenfroh geschmückte Vorgärten. Hier war Marathon. Und immer wieder der Blick auf den Puls und nach jeder Kilometer – Marke die Kontrolle der Laufzeit. Es war noch immer alles im Plan. Der nächste Ort Buch stand an. Auch hier wieder Musik, gute Laune, Marathonfest der Dorfbewohner. Über die Straße waren Leinen mit kleinen Fähnchen gezogen, die den Läufern das Gefühl gaben, in einen Tunnel zu laufen. An dessen Ende die Verpflegungsstation und davor die Dorffete abgehalten wurde. Im Hintergrund die alte Kirche mit seinem Storchennest, auf dem zwei Störche saßen und das Treiben beobachteten. Alleine für das Genießen dieses Ausblickes haben sich die unzähligen Trainingskilometer gelohnt. Das farbenfroh geschmückte Dorf schien, als würde es sich ein Wettkampf in Sachen Marathonbegeisterung mit Bölsdorf liefern. Wenn ja, dann haben beide den Wettkampf für sich entschieden. Ein Lob an die Dörfer für deren gigantische Stimmung ist hier fällig.

Nach Buch ging es dann wieder raus in die Elbwiesen in Richtung Deich, NABU Turm und Tangermünde. Und immer wieder die Kontrolle von Zeit und Puls und noch immer ein gutes Gefühl in den Beinen sowie die planmäßige Zeit vor Augen. Kurz vor Tangermünde wurde es dann voll auf der Strecke. Erst kamen uns Marathonis das Halbmarathonfeld auf dem Deich entgegen, dann die 10km – Läufer. Im ersten Feld lief Matthias, der einen überaus fitten Laufeindruck hinterließ und mit einem breiten Grinsen auf der Strecke war, dann folgte Patricia, die ebenfalls super gut gelaunt ihren 10km - Weg bewältigte. Mit diesen guten Eindrücken ging es für mich dann nach Tangermünde. Und wieder gab es einen dieser Augenblicke zu erleben, wo für man Marathon läuft. Im Hintergrund die Tangermünder Altstadt, davor der Einlauf in den Startzielbereich mit dem Wendepunkt zur zweiten Runde. Vorher ging es durch ein Spalier aus Helfern den jubelnden Zuschauern entgegen. Einfach nur geil hier zu laufen und die Halbmarathonzeit mit 1:40 lies kein Wünsche offen. Es lief einfach.

Dass der Elbdeichmarathon aber auch seine Marathonseite hat in der man Beissen muss, zeigt die zweite Runde. Nun gegen Mittag wurde es heiss auf der Strecke. Am Deichfuss bei km25 ging kein Lüftchen. Zwar waren 17Grad angesagt, das war aber wohl nicht für die Altmark bestimmt. Nach dem Lauf schauten Matthias und ich noch aufs Thermometer im Schatten, da waren es noch 20,5Grad. So war es auf der Marathonstrecke ohne jeden Schatten und ohne Wind gefühlte 25Grad. Jetzt hämmerte der Puls, der Körper hatte zu kämpfen. Die ganze Konzentration war auf den Laufrhythmus gelegt. Nur zur Verpflegung nach Bölsdorf, dachte ich. Die Geschwindigkeit haltend und kam ich endlich ins Dorf. Hier ging eine komplette Mütze voll Wasser erst einmal über den Kopf. Trinken und wieder Wasser über den Körper. Dann wieder raus in die Elbweite. Die Beine wurden schwerer und die Luft irgendwie immer wärmer. Kein Luftzug, kein Schatten. Hier um km30 starten die wirklichen Marathonstrapazen. In der endlos scheinenden Weite ging es Schritt um Schritt weiter. Wieder nach Buch rein, wieder Verpflegung, wieder Wasser überall hin, denn jetzt sollte der Teil kommen, der auch in den letzten Jahren schon unangenehm war. Jetzt ging es in einem Bogen zurück Richtung Tangermünde aber gleichzeitig auch in den Wind. Nun bei km35 hiess es kämpfen. Das Tempo brach ein, der Puls blieb eigentlich viel zu hoch, aber egal dachte ich. An den Kilometermarken blieb jetzt Minute um Minute liegen. Doch auch das nahm ein Ende. Die Kraftausdauer – Einheiten der letzten Wochen machten sich genau jetzt bezahlt. Dennoch blieb die Frage offen, was unangenehmer ist, die Wärme ohne Schatten oder der andauernde Wind, der wie ein Gummiband wirkt. Ich habe bis heute keine Antwort. Schließlich kam die Silhouette von Tangermünde wieder in Sicht. Die letzten 3 Kilometer, dann die letzten zwei Kurven. Dann wieder dieser starke Blick in den Zielbereich, die Helfer an der Strecke, die Zuschauer, die für Stimmung sorgten. Für diese Marathonmeter lohnt sich jede Quälerei. Dann ins Zuschauerspalier auf die letzten Meter, über die Ziellinie und der Blick auf die Uhr. Es war geschafft: 3:29:13. Ich konnte es kaum glauben. Patricia kam schon Freude strahlend auf mich zu und ich konnte es immer noch nicht fassen…

Anschließend ging es dann unter die Dusche und wieder zurück zum Marathonge- lände für ein gemütliches Ausklingen der Veranstaltung. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Altmark mit dem Elbdeichmarathon ein ganz besonderes Laufevent zu bieten hat, die es in Deutschland nicht all zu häufig gibt. Der Umzug auf die Hafenpromenade, in die „Veranda von Tangermünde“, wie es der Bürgermeister so treffend formulierte, hat sich bezahlt gemacht. Das Orga – Team hat eine super Leistung abgeliefert und alle 250 Helfer, auf und neben der Strecken, einen tollen Job gemacht. Man hatte nie das Gefühl, das es irgendwo einen Bereich gab, wo die Sicherheit fehlte. Selbst in der Weite der Elbwiesen waren immer Streckenposten zu sehen. Wirklich toll! Nun habe ich an allen vier Auflagen des Elbdeichmarathons teilgenommen und werde auch zur fünften Auflage wieder dabei sein, dass ist heute schon sicher!

Das der Elbdeichmarathon in Tangermünde auch besondere Zuschauer hat, mag der Zieleinlauf der letzten Läuferin belegen. Kurz bevor die Läuferin auf die Zielgerade einbog rief der Moderator (der übrigens von 9 - 15Uhr ununterbrochen den Zielbereich kommentierte!!) die Zuschauer auf, nochmals an die Strecke zu kommen, um der Läuferin nach 5:20Std. den verdienten Applaus zu gönnen. Und tatsächlich, das Tangermünder Publikum folgte dem Moderator, kam an die Absperrungen und bereitete auch der letzten Marathonläuferin die verdiente Anerkennung für eine tolle Leistung, bei welchem anderen Marathon gibt es das...?

Und dass sich die gute Laune von Matthias und Patricia auch auf deren Laufergebnis ausgewirkt hat, belegen deren tolle individuelle Leistungen: Patricia Webendörfer 1:10 (10km) Matthias Webendörfer 1:59 (Halbmarathon) Fritz Rietkötter 3:29(Marathon)